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Olivenöl aus Tunesien importieren: Zoll, Kontingent, Dokumente

Veröffentlicht am 8. Juli 2026 · 7 min

Tunesisches Olivenöl gelangt auf zwei Wegen in die Europäische Union: über ein hart umkämpftes zollfreies Kontingent von 56.700 Tonnen pro Jahr oder zum Drittlandszollsatz von rund 1.245 € je Tonne für natives Olivenöl extra. Dazwischen liegen ein Dokumentensatz von etwa zehn Positionen und Ursprungsregeln, die keine Improvisation dulden. Für deutsche Abfüller und Lebensmittelhersteller, die ohne eigene Erzeugung vollständig auf Importe angewiesen sind, lohnt sich der Direktbezug — hier der komplette Weg einer Partie, von der Einfuhrlizenz bis zur Entladung.

Der Rahmen: Assoziierungsabkommen und zollfreies Kontingent

Der Agrarhandel zwischen der EU und Tunesien beruht auf dem Europa-Mittelmeer-Assoziierungsabkommen, in Kraft seit 1998. Für Olivenöl ist das zentrale Instrument ein Zollkontingent von 56.700 Tonnen pro Jahr zum Nullzollsatz, ursprünglich eröffnet durch die Verordnung (EG) Nr. 1918/2006 und heute verwaltet nach den Verordnungen (EU) 2020/760 und 2020/761, laufende Nummer 09.4032.

Drei Bedingungen stecken das Kontingent ab:

  • Nur native Öle: KN-Codes 1509 20 00, 1509 30 00 und 1509 40 00 — natives Olivenöl extra, natives Olivenöl und Lampantöl. Raffiniertes Öl ist ausgeschlossen.
  • Strenger tunesischer Ursprung: das Öl muss vollständig in Tunesien gewonnen sein, die Oliven dort geerntet und gepresst.
  • Direktbeförderung von Tunesien in die EU.

Die AGRIM-Lizenz: der eigentliche Engpass

Verwaltet wird das Kontingent über AGRIM-Einfuhrlizenzen, die die zuständige nationale Stelle ausstellt — in Deutschland die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Anträge sind in den ersten sieben Dezembertagen zu stellen, für ein Kontingent, das am 1. Januar öffnet; hinterlegt wird eine Sicherheit in der Größenordnung von 20 € je 100 kg, die bei Ausnutzung der Lizenz freigegeben wird.

Was viele Einkäufer zu spät erfahren: Die Nachfrage übersteigt das verfügbare Volumen um ein Vielfaches. 2024 wurden über 3,3 Millionen Tonnen beantragt — bei 56.700 verfügbaren Tonnen. Jeder Antragsteller erhielt rund 1,7 % der beantragten Menge, und das gesamte Jahresvolumen war bereits nach der ersten Runde zugeteilt. Im Klartext: Ohne im Dezember gesicherte Lizenz gibt es für das laufende Jahr keinen Nullzoll mehr.

Außerhalb des Kontingents: die vollen Zollsätze

Jenseits des Kontingents — oder ohne Lizenz — gilt der Gemeinsame Zolltarif mit spezifischen, auf das Gewicht statt auf den Wert berechneten Zöllen:

KN-CodeKategorieDrittlandszollsatz
1509 20 00Natives Olivenöl extra124,5 €/100 kg
1509 30 00Natives Olivenöl124,5 €/100 kg
1509 40 00Andere native Öle (einschl. Lampantöl)122,6 €/100 kg
1509 90 00Andere (raffiniert und Verschnitte)134,6 €/100 kg

Das ergibt rund 1.245 € je Tonne für natives Olivenöl extra — ein spürbarer, aber nicht immer prohibitiver Aufschlag: Tunesische Ware wird durchaus zum vollen Zollsatz abgefertigt, wenn der Preisabstand zu spanischer oder italienischer Herkunft es rechtfertigt. Zwei Verfahren verschieben die Belastung: das Zolllager, das Zoll und Einfuhrumsatzsteuer aussetzt (nützlich, um die Öffnung des nächsten Kontingents abzuwarten), und die aktive Veredelung für Öle, die in der EU raffiniert und wieder ausgeführt werden.

Die tunesische Seite: zugelassene Exporteure statt Monopol

Das Exportmonopol des Office National de l'Huile (ONH) wurde 1994 abgeschafft. Das ONH bleibt in der Branche aktiv — Regulierung, Absatzförderung, Export auf eigene Rechnung —, doch der Großteil der Ware läuft heute über rund hundert zugelassene private Exporteure.

Zwei Anforderungen bestehen fort: die Eintragung des Exporteurs in das Register der Olivenölexporteure und, für Lieferungen im Rahmen des EU-Kontingents, eine vorherige Genehmigung des Landwirtschaftsministeriums, zu beantragen mindestens 7 Tage vor der Verladung. Ein nicht registrierter Exporteur oder eine fehlende Genehmigung blockiert die Partie an der Kaimauer — ein Punkt, den man bei jedem Lieferanten von tunesischem Olivenöl als Bulkware vor Vertragsschluss prüfen sollte.

Der Ursprungsnachweis: EUR.1 oder Erklärung auf der Rechnung

Den Nullzoll gibt es nur gegen präferenziellen Ursprungsnachweis: eine von den tunesischen Zollbehörden abgestempelte Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 oder eine Ursprungserklärung auf der Rechnung — vorbehalten ermächtigten Ausführern, bei Sendungen bis 6.000 € jedem Exporteur. Die Regel der „vollständigen Gewinnung" ist streng: Ein Verschnitt, der nach Tunesien importierte Öle enthält, verliert die Präferenz. Bei diesem Produkt selten, aber in einer nachträglichen Prüfung fatal — inklusive Nacherhebung der Zölle.

Der Dokumentensatz, Position für Position

DokumentAusstellerZweck
HandelsrechnungExporteurZollwert, Bemessungsgrundlage für Zoll und EUSt
PacklisteExporteurGewichtskontrolle, Container- und Plombennummern
Konnossement (B/L)ReedereiTransport- und Traditionspapier
EUR.1 oder UrsprungserklärungTunesischer Zoll / ExporteurPräferenzbehandlung (Nullzoll im Kontingent)
AGRIM-LizenzNationale Stelle (in Deutschland: BLE)Anrechnung auf das Kontingent 09.4032
Analysenzertifikat (COA)Labor des Exporteurs oder unabhängiges LaborBeleg der deklarierten Kategorie (Säuregrad, Peroxidzahl, K232/K270)
GesundheitszeugnisZuständige tunesische BehördenEignung für den menschlichen Verzehr
Bio-Kontrollbescheinigung (e-COI)Anerkannte Öko-Kontrollstelle, über TRACESVermarktung als „bio" in der EU
Lebensmittelzertifikat des FlexitanksHersteller / Installateur des BeutelsHygienenachweis für das Transportbehältnis

Zwei klassische Fallen: ein Bio-e-COI, das erst nach Abfahrt des Schiffs ausgestellt wird (es muss vor der Verladung in TRACES signiert sein, sonst verliert die Partie ihren Bio-Status), und ein lückenhaftes COA, das die bei Ankunft geprüften Parameter nicht abdeckt.

Bei Ankunft: Qualitätskontrollen und Kennzeichnung

Die Vermarktungsnormen für Olivenöl stehen heute in den Verordnungen (EU) 2022/2104 und 2022/2105, die die Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 und die Verordnung (EU) Nr. 29/2012 abgelöst haben. Die Mitgliedstaaten kontrollieren risikobasiert — in Deutschland die amtliche Lebensmittelüberwachung der Länder: Dokumentenprüfung und gegebenenfalls Probenahme für chemisch-physikalische Analysen und Panel-Test. Ein als nativ extra deklariertes Öl, das in der Analyse nur als nativ eingestuft wird, bedeutet Umklassifizierung, Umetikettierung und Streit mit dem Lieferanten — deshalb der Wert eines vollständigen COA je Partie und einer unabhängigen Gegenanalyse bei der Verladung.

Als Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs durchläuft Olivenöl nicht die systematischen Grenzkontrollstellen der tierischen Erzeugnisse; verstärkte Kontrollen griffen nur, wenn es auf der Liste der Verordnung (EU) 2019/1793 stünde — die jeweils gültige Fassung ist zu prüfen. Kommt die Ware bereits abgefüllt an, muss das Etikett vom ersten Inverkehrbringen an konform sein: Kategorien, Ursprung und Aufbewahrungshinweise behandelt unser Leitfaden zur EU-Kennzeichnung von Olivenöl.

Einfuhrumsatzsteuer und Überführung in den freien Verkehr

Mit der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr fällt die Einfuhrumsatzsteuer an, bemessen auf den Zollwert zuzüglich Zoll. In Deutschland gilt für Olivenöl der ermäßigte Lebensmittelsatz von 7 %; die EUSt ist als Vorsteuer abziehbar, üblich ist die Abwicklung über das Aufschubkonto des Zolldienstleisters. Wer über einen französischen oder italienischen Hafen einführt, kann alternativ dort verzollen oder die Ware im externen Versandverfahren T1 bis zum deutschen Bestimmungszollamt laufen lassen.

Praxisfall: 22 Tonnen im Flexitank von Radès nach Marseille

  1. Vertrag: Partie definiert über Muster und Analysenzertifikat, Incoterm vereinbart — FOB Radès oder CIF/DAP Bestimmungshafen, je nachdem, wer die Fracht trägt (siehe unseren Incoterms-Leitfaden für Olivenöl).
  2. Tunesische Genehmigungen: Exporteur im Register eingetragen; Ministeriumsgenehmigung mindestens 7 Tage vor Verladung beantragt, wenn die Partie auf das Kontingent zielt.
  3. Verladung: neuer Flexitank in einem 20-Fuß-Standardcontainer, rund 22 Tonnen verpumpt, Plomben gesetzt, unabhängige Gegenanalyse bei der Verladung möglich — den Behältervergleich liefert unser Beitrag Flexitank oder Isotank.
  4. Dokumentenerstellung: Rechnung, Packliste, vom tunesischen Zoll bestätigtes EUR.1, B/L bei Verschiffung, Gesundheitszeugnis und COA beigefügt.
  5. Seestrecke: Radès–Marseille ist eine kurze Route — wenige Tage im Direktdienst, länger über Umladung.
  6. Abfertigung: Anmeldung zur Überführung in den freien Verkehr — in Marseille oder nach T1-Transit in Deutschland; EUR.1 plus AGRIM-Lizenz für den Nullzoll, EUSt über das gewählte Verfahren.
  7. Mögliche Kontrollen: Dokumentenprüfung oder Beprobung je nach Risikoprofil.
  8. Zustellung und Entladung: Nachlauf per LKW zum Werk, mit Pumpe und Puffertank, die die gesamte Partie aufnehmen.

Auf dieser Route macht die See nur wenige Tage aus: Den Takt geben AGRIM-Lizenz, tunesische Genehmigung und Schiffsraum vor. Eine bestätigte Partie wird typischerweise einige Wochen später entladen, je nach Saison — keiner dieser Meilensteine sollte im Vertrag als fixes Datum zugesagt werden.

Importieren, ohne die Komplexität zu tragen

Diese gesamte Mechanik kann beim Verkäufer bleiben. Wer DAP oder DDP kauft, erhält verzollte Ware mit dem vollständigen Dokumentensatz. Virginia, Händler und Abfüller tunesischen Olivenöls, stellt EUR.1, COA je Partie, Gesundheitszeugnisse und Bio-e-COI für jede Lieferung zusammen und verkauft zu allen Incoterms — von FOB Radès bis frei Werk. Beschreiben Sie Ihren Bedarf über eine Angebotsanfrage: Qualifizierung innerhalb von 24 Arbeitsstunden, Muster und Analysenbericht vor jeder Bindung.

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