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Nutri-Score bei Olivenöl: Was sich 2024 geändert hat

Veröffentlicht am 14. August 2026 · 7 min

Vom Handelsteam von Virginia · geprüft von Tarek Neffati, Präsident

Eine Flasche natives Olivenöl extra trägt seit 2024 ein Nutri-Score B, zuvor lag sie bei C oder D — ohne dass sich an der Zusammensetzung des Öls auch nur ein Gramm geändert hätte. Für einen Einkäufer, der eine Eigenmarken-Linie aufbaut, stellt sich nicht nur die Frage, welche Note das Öl erhält, sondern ob sich der Logo-Aufdruck überhaupt lohnt — denn eine einmal eingegangene Nutri-Score-Verpflichtung bleibt nicht auf eine einzelne Artikelnummer beschränkt. Hier steht, was das Label tatsächlich misst, was sich an der Berechnung geändert hat und wie der rechtliche Stand aktuell aussieht.

Ein Nährwertlabel, kein Gesundheitsclaim

Nutri-Score ist ein fünfstufiges Logo (A bis E, von dunkelgrün bis rot) auf der Vorderseite der Verpackung, berechnet aus einem Algorithmus, der günstige Elemente — Ballaststoffe, Eiweiß, das Vorkommen von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten oder von Oliven-, Raps- und Walnussöl in der Zutatenliste — gegen ungünstige aufrechnet: Energie, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz. Entwickelt von einem französischen Public-Health-Team unter Professor Serge Hercberg, hatte es nie eine harmonisierte EU-Rechtsgrundlage: Jeder Mitgliedstaat, der es einführt, tut dies über eine freiwillige Vereinbarung mit den Unternehmen, die es nutzen wollen.

Das ist eine rechtliche Unterscheidung, die man im Kopf behalten sollte: Es handelt sich nicht um eine nährwert- oder gesundheitsbezogene Angabe im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. Ein Claim wie der zu Olivenöl-Polyphenolen folgt einem festen Wortlaut und einem präzisen analytischen Schwellenwert — diesen Mechanismus behandeln wir ausführlich in unserem Artikel zum Polyphenol-Health-Claim. Nutri-Score dagegen beansprucht keine konkrete Eigenschaft: Es ist eine synthetische Zusammenfassung des gesamten Nährwertprofils, geregelt nicht durch eine EU-Verordnung, sondern durch eine Nutzungscharta und einen öffentlichen Algorithmus, veröffentlicht und gepflegt von Santé publique France, der Behörde, die das System seit seinem Start 2017 betreibt.

Die Revision 2024: warum Olivenöl eine Stufe aufsteigt

Der ursprüngliche Algorithmus bestrafte jedes Fett allein anhand seiner Energiedichte, ohne die Art der Fettsäuren zu unterscheiden. Ein natives Olivenöl extra, reich an Ölsäure, aber genauso kalorienreich wie jedes andere Öl, landete so in Stufe D — aus Verbrauchersicht auf einer Stufe mit einem hochverarbeiteten Produkt. Der internationale wissenschaftliche Ausschuss von Nutri-Score hat diese Berechnung überarbeitet: Die Ende 2023 veröffentlichte und seit Ende April 2024 angewendete Version berücksichtigt erstmals die Fettsäurezusammensetzung und bewertet einfach und mehrfach ungesättigte Fette positiv. Ein Standard-Olivenöl extra steigt dadurch von D auf B, gemeinsam mit Rapsöl, Walnussöl und hochölsäurehaltigem Sonnenblumenöl — Unternehmen hatten zwei Jahre Zeit, ihre Verpackungen an die neue Berechnung anzupassen.

Professor Hercberg beschrieb die Änderung als "einen strengeren Algorithmus, der aber auch wirksamer für die Gesundheit und für die Verbraucher ist". Der Gewinn muss für einen professionellen Einkäufer jedoch relativiert werden: Ein hochwertiges, polyphenolreiches Olivenöl extra und ein raffiniertes Oliventresteröl mit sehr unterschiedlichem sensorischem und ernährungsphysiologischem Profil können nahezu dieselbe Stufe erreichen, weil die Berechnung weiterhin auf Makronährstoffen basiert — nicht auf Frische, Säuregrad oder Phenolgehalt. Eine Note B ersetzt daher nie die Lektüre des Analysezertifikats der Partie.

Olivenöl im Vergleich zu anderen Fetten

FettNutri-Score vor der RevisionNutri-Score seit 2024
Natives Olivenöl extraDB
RapsölCB
Standard-SonnenblumenölDC
Hochölsäurehaltiges SonnenblumenölCB
Raffiniertes OliventresterölDB/C je nach Formulierung
PalmölED/E
ButterEE

Die Tabelle zeigt die Logik der Berechnung: Ungesättigte Fette, Olivenöl eingeschlossen, gewinnen am deutlichsten; tropische, gesättigte Fette bleiben trotz der Revision am unteren Ende der Skala.

Pflicht oder freiwillig? Die knapp gescheiterte Regel in Frankreich Ende 2025

Im Jahr 2026 bleibt Nutri-Score in allen Ländern, die es eingeführt haben, ein freiwilliges System: Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Spanien, die Schweiz und Portugal handhaben es auf dieser Basis, wobei jedes Unternehmen eine Nutzungscharta mit der zuständigen Stelle in seinem Markt unterzeichnet. In Deutschland ist die Nutzung seit 2020 möglich und wächst seither stetig, auch wenn Olivenöl als reines Fettprodukt noch seltener gekennzeichnet wird als etwa Milchprodukte oder Fertiggerichte. Italien lehnt das System seit dessen Einführung offiziell ab und argumentiert, es benachteilige typisch italienische Produkte — Olivenöl, Wurstwaren, Käse — die trotz ihres anerkannten Platzes in der mediterranen Ernährung einen entsprechenden Fett- oder Salzgehalt aufweisen; Rom wirbt stattdessen für ein eigenes System, die NutrInform Battery, die auf Prozentsätzen des Tagesreferenzwerts statt auf einem einzelnen Buchstaben basiert.

Frankreich war Ende 2025 nah dran, die Lage zu ändern. In der Nacht vom 7. auf den 8. November verabschiedete die Nationalversammlung einen Änderungsantrag zum Sozialversicherungsfinanzierungsgesetz, der die Nutri-Score-Kennzeichnung verpflichtend gemacht hätte, mit einer Ausnahme für Produkte mit offiziellem Qualitätszeichen (g.U., g.g.A., Label Rouge). Der Senat lehnte diese Pflicht am 21. November ab, und der endgültige Text — das Gesetz Nr. 2025-1403 vom 30. Dezember 2025 — strich die verpflichtende Einführung vollständig. Nutri-Score bleibt damit vorerst freiwillig, doch die Episode zeigt: Ein Einkäufer, der ein Sortiment für den französischen Markt aufbaut, sollte dieses Dossier weiterverfolgen statt es als erledigt zu betrachten.

Die Alles-oder-nichts-Regel für eine Marke

Das Detail, das die meisten Eigenmarken-Einkäufer beim ersten Blick auf das System übersehen: Ein Unternehmen, das die Nutri-Score-Charta unterzeichnet, verpflichtet sich, das Logo innerhalb des erfassten Sortiments auf alle Produkte innerhalb einer festgelegten Frist aufzudrucken — ohne die Möglichkeit, nur die gut bewerteten Artikel auszuwählen. Für einen Händler, der Nutri-Score bereits in anderen Kategorien führt, fällt ein neu aufgenommenes Eigenmarken-Olivenöl mechanisch in diesen Geltungsbereich. Für eine Marke, die ihre Olivenöl-Linie eigenständig aufbaut, stellt sich die Entscheidung anders: Eine Note B beim Öl reicht allein nicht aus — sie muss gegen die Kohärenz des gesamten Portfolios und eine bereits bestehende oder fehlende Verpflichtung zu diesem Logo abgewogen werden.

Auch die Kanalfrage lohnt sich vor jeder Unterschrift zu klären: Ein Händler, der Nutri-Score auf verpackten Produkten zeigt, sein Öl aber lose oder in nicht individuell etikettierten Gebinden verkauft, fällt für diese Linie mechanisch aus dem Geltungsbereich der Charta — weshalb manche Händler ihre Ölsortimente bewusst außerhalb der Nutri-Score-Verpflichtung halten, selbst wenn sie das Logo anderswo im Sortiment führen. Das ist kein Grund, das Logo grundsätzlich zu meiden — eine Note B bleibt ein echtes Verkaufsargument gegenüber einem konkurrierenden Sonnenblumen- oder Palmöl —, aber die Entscheidung sollte auf Ebene des gesamten Sortiments getroffen werden, nicht Artikel für Artikel.

Was Nutri-Score nicht ersetzt

Nutri-Score misst weder Säuregrad noch Peroxidzahl, weder Polyphenolgehalt noch Erntefrische — genau jene Parameter, die ein hochwertiges natives Olivenöl extra von einem einfachen Öl unterscheiden, das nur das gleiche gesetzliche Minimum erfüllt. Es ersetzt auch nicht die Pflichtangaben aus unserem Leitfaden zur EU-Kennzeichnung von Olivenöl, die unabhängig von der Entscheidung über das Nährwertlogo die rechtliche Grundlage bleibt. Ein Einkäufer, der ein Qualitätsargument rund um sein Öl aufbaut, sollte dieses stets mit einem partiebezogenen COA belegen — unabhängig davon, ob am Ende eine Nutri-Score-Stufe auf dem Etikett steht.

Diese Lücke wiegt kommerziell genauso schwer wie rechtlich. Zwei nebeneinander im Regal stehende native Olivenöle extra, beide mit Note B, können sich deutlich in Polyphenolgehalt, oxidativer Stabilität und sensorischer Intensität unterscheiden — nichts davon zeigt das Logo. Ein Eigenmarkenprogramm, das seine gesamte Preisargumentation allein auf die Nährwertstufe stützt, lässt sein eigentliches Unterscheidungsmerkmal im Dunkeln: das analytische Profil der Partie.

Für den deutschen Markt kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die freiwillige Nutzung wächst hier seit Jahren, doch Einzelhändler setzen das Logo unterschiedlich konsequent ein, und ein Wechsel des Listungspartners kann eine bereits getroffene Nutri-Score-Entscheidung wieder in Frage stellen. Wer eine Eigenmarken-Linie über mehrere Handelspartner hinweg plant, sollte diese Uneinheitlichkeit von Anfang an einkalkulieren, statt sie erst beim zweiten Listungsgespräch zu entdecken.

Eine Nutri-Score-Entscheidung auf solider Grundlage treffen

Ob ein für die Abfüllung bestimmtes loses Olivenöl mit Nutri-Score gekennzeichnet werden soll, ist keine isolierte technische Entscheidung: Sie bindet ein ganzes Sortiment an ein noch in Bewegung befindliches französisches Regulierungsdossier. Virginia klärt diese Abwägung bereits im Briefing zu Ihren Projekten für abgefüllte Öle, zusammen mit den Parametern, die sich nicht nach regulatorischer Mode richten — Säuregrad, K232/K270, Polyphenole auf Anfrage, COA je Partie. Fordern Sie ein Angebot an, um gemeinsam die Etikettenpositionierung Ihrer Eigenmarke oder Markenware auf Basis unserer Mengen an tunesischem Olivenöl im Bulk festzulegen.

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